 ##  [Grundsatz der Strafauslegung Zugunsten des Beschuldigten](/de/node/40719) 

 Definition

Ein Grundsatz der strafrechtlichen Auslegung, wonach Gerichte bei verbleibender Ambiguität einer Strafnorm zugunsten des Beschuldigten entscheiden müssen, sodass unklare Gesetze eng ausgelegt werden und nicht zur Erweiterung der Strafbarkeit beitragen.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Da Strafnormen Freiheitsinteressen betreffen und Rechtssicherheit verlangen, sind Mehrdeutigkeiten, die nach den gewöhnlichen Auslegungsmitteln verbleiben, zugunsten des Beschuldigten zu klären; die Regel schützt vor rückwirkenden oder weiten Auslegungen, die unvorhergesehene Sanktionen zur Folge hätten.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Eine Vorschrift ahndet 'Diebstahl von Eigentum', wobei unklar ist, ob immaterielle digitale Dateien erfasst sind; wenn Text- und Kontextauslegung Zweifel belassen, wendet das Gericht den Grundsatz der Nachsicht an und verengt die Vorschrift, sodass die Handlung des Angeklagten nicht strafbar ist.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Die Regel als Standardinstrument zu verwenden, um klare gesetzgeberische Zwecke zu übergehen oder stets zugunsten des Beschuldigten anzuwenden, wenn in Wahrheit die Auslegungsmittel zu einem eindeutigen Ergebnis führen; dadurch würde die richtige Gesetzesanwendung verzerrt.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Fördert die klarere Ausgestaltung durch den Gesetzgeber, schützt individuelle Freiheit und begrenzt die Ausdehnung strafrechtlicher Haftung durch Verwaltung oder Rechtsprechung; sie verlagert die Darlegungslast auf den Gesetzgeber, das Unrecht präzise zu benennen.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Würde die Regel umgestülpt, würden unklare Strafnormen zugunsten der Verfolgung weit ausgelegt, was das Risiko überraschender Sanktionen erhöhte und die Voraussetzung eindeutiger Belehrung vor Freiheitsentzug unterhöhlt.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Gilt nur, wenn nach Anwendung üblicher Auslegungsregeln (Text, Aufbau, Zweck, Entstehungsgeschichte) echte Unklarheit verbleibt; findet keine Anwendung auf Zivilnormen, regulative Sanktionen mit eigenen Auslegungsregeln oder auf eindeutig formulierte gesetzliche Bestimmungen.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Steht im Spannungsverhältnis zu teleologischen und pragmatischen Auslegungsansätzen, die versuchen, Gesetzeszwecke zu verwirklichen; strittig ist, ob Nachsicht vorrangig oder nur als ultima ratio anzuwenden ist, nachdem andere Auslegungsmittel erschöpft sind.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Der Grundsatz der Nachsicht ist eine interpretative Begrenzung, die verbleibende Unklarheiten zugunsten des Angeklagten auflöst, den Strafrechtsschutz an das Prinzip der Rechtssicherheit bindet und klarstellende Gesetzgebung verlangt.