Definition
Eine Verteidigung, die auf unfreiwilligem Verhalten beruht: Automatismus behauptet, dass die Handlungen des Angeklagten nicht freiwillig waren, weil sie in einem Zustand beeinträchtigten Bewusstseins oder reflexartigem Handeln stattfanden, wodurch das für die strafrechtliche Haftung erforderliche freiwillige Tun entfällt.
Prinzip
Prinzip
Strafrechtliche Verantwortlichkeit setzt eine freiwillige Handlung voraus; wenn der Angeklagte ohne bewusste Kontrolle handelte — infolge einer äußeren Einwirkung, eines plötzlichen medizinischen Ereignisses, Schlafwandeln oder Ähnlichem — fehlt die notwendige Freiwilligkeit.
Demonstration
Demonstration
Eine Person schlafwandelt, greift unbewusst zu einem Gegenstand und verletzt eine andere Person; medizinische Gutachten belegen, dass das Verhalten während einer dissoziativen Schlafwandelepisode stattfand, was den Automatismus als Verteidigung stützt, weil die Handlung unfreiwillig war.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Automatismus für vorsätzliche oder gewollte Handlungen geltend zu machen oder ihn für Zustände anzuführen, die durch freiwillige Intoxikation entstanden sind, ohne eine medizinische oder äußere Ursache nachzuweisen; Automatismus mit Reflexen oder normaler Fahrlässigkeit zu verwechseln.
Konsequenz
Konsequenz
Wird externer Automatismus anerkannt, kann dies zur Freisprechung führen; beruht der Automatismus auf einer inneren Krankheit (‚insane automatism‘), behandeln viele Rechtsordnungen dies wie Unzurechnungsfähigkeit mit Folgebehandlungen oder Unterbringungen.
Umkehrung
Umkehrung
Das Gegenteil ist die Feststellung, dass die Handlung freiwillig und vorsätzlich war; freiwillige Intoxikation oder bewusste Planung widerlegen Automatismusbehauptungen und stützen die strafrechtliche Verantwortlichkeit.
Abgrenzung
Abgrenzung
Es ist zu unterscheiden zwischen äußerem Automatismus (durch externen Faktor verursacht, eher entschuldigend) und inneren Ursachen (medizinische Zustände, die Unzurechnungsfähigkeit auslösen) sowie Reflexhandlungen, vorübergehender Unaufmerksamkeit ohne Dissoziation und selbst herbeigeführten Zuständen, sofern das Recht nichts anderes vorsieht.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Automatismus liegt an der Schnittstelle von Actus-Reus-Entfall und Unzurechnungsfähigkeitslehren: Spannung besteht darüber, ob ein unfreiwilliger Zustand als intern (Krankheit) oder extern (entschuldigender Umstand) zu werten ist und welche Beweisstandards medizinisch oder verhaltensbezogen gelten.
Synthese
Synthese
Automatismus negiert die Freiwilligkeit, indem er nachweist, dass der Angeklagte ohne bewusste Kontrolle handelte; die rechtliche Wirkung hängt davon ab, ob die Ursache extern und entschuldigend oder intern und unzurechnungsfähigkeitsrelevant ist.